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Gebot der Stunde: Engpässe frühzeitig erkennen

Interview mit Ludwig Fuller, Vorstandsmitglied der Sparkasse Passau
in der DHZ Deutsche Handwerks Zeitung

Sparkasse Passau - Artikel Deutsche Handwerks Zeitung

erschienen am 10. Juli 2020 in der DHZ Deutsche Handwerks Zeitung, Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz

Das Interview hier zum Nachlesen:

Umsatzausfälle, sinkende Investitionen, Liquiditätsprobleme – die Corona-Pandemie und der Lockdown machen es der Wirtschaft nicht leicht. So auch den ostbayerischen Handwerksbetrieben. Was für die Handwerker jetzt besonders wichtig ist: Liquidität. Dabei kommt den Banken der Region eine tragende Rolle zu. Die DHZ hat mit Ludwig Fuller, Vorstandsmitglied der Sparkasse in Passau, gesprochen:

Corona hat nach wie vor alle Bereiche Fest im Griff – auch den Bankensektor. Wie geht es Ihnen und den Unternehmenskunden im Geschäftsgebiet derzeit?

Bislang sind wir gemeinsam ganz gut durch die Situation gekommen. Aber entscheidend wird sein, wie sich in den nächsten Wochen und Monaten das Konsumverhalten der Bürger und die Investitionen der öffentlichen Hand sowie der gewerblichen Wirtschaft entwickeln. Das kann derzeit – trotz Konjunkturpaketen und Stützungsmaßnahmen – niemand wirklich einschätzen. Diese Unsicherheit lähmt die Wirtschaft. Handwerksbetriebe brauchen Klarheit und Planungssicherheit, um den rasanten Entwicklungen richtig zu begegnen. Das Gebot der Stunde ist somit vorausschauend zu agieren, um etwa Liquiditätsengpässe frühzeitig erkennen zu können.

Es wird davon gesprochen, dass die Pandemie die größte Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg auslöst. Wie schätzen Sie das ein?

Einen Lockdown mit Stillstand in so vielen Branchen über zwei bis drei Monate, das hat es in der Form noch nie gegeben. Trotzdem sollte man sich ansehen, von welch hohem Niveau wir kommen. Wir hatten in einigen Bereichen Überhitzungen, die jetzt in die andere Richtung ausschlagen. Betriebe, die in der Vergangenheit gut gewirtschaftet haben, überstehen zum größten Teil diese Krise. Betriebe, die schon vor Corona „krank“ waren, werden es oftmals nicht überstehen.

„Hand aufs Herz: Ein Gespräch, bei dem es zum Beispiel um die Firmennachfolge geht, da muss man sich in die Augen schauen.“

Ludwig Fuller, Vorstandsmitglied der Sparkasse Passau

 

Hat das Coronavirus ihre Zusammenarbeit mit den Handwerkern ihrer Region verändert?

Auf jeden Fall. Wir sind enger zusammengerückt und noch mehr zusammengewachsen. Es wird intensiver miteinander kommuniziert – und das ist gut so und für beide Seiten wichtig. Die Unternehmen sollten weiterhin proaktiv mit uns kommunizieren, das gilt für gute Nachrichten genauso wie für schlechte. Für uns trifft das natürlich in gleicher Weise zu: Schon zu Beginn der Corona-Krise sind unsere Firmenkundenberater eigen­initiativ auf die Handwerksbetriebe und Unternehmen zugegangen und haben nachgefragt, in welchen Bereichen die Sparkasse Unterstützung anbieten kann. Das ist richtig gut angekommen.

Mit welchen Anliegen kommen diese auf Sie zu?

In erster Linie gab es Fragen nach Zuschüssen und zinsverbilligten Darlehen der LfA und KfW zur Liquiditätssicherung. Dann bestand Bedarf bezüglich einer Erhöhung von Betriebsmittelkreditlinien und Avallinien. Es tauchen viele Fragen auf: Muss ich Angst haben um mein Geld oder wie lege ich mein Geld in diesen besonderen Zeiten richtig an? Wie geht es mit der Wirtschaft weiter – soll ich investieren oder ist es besser, abzuwarten?

Bislang profitiert das Handwerk noch von der guten Konjunktur der letzten Zeit. Ab Herbst allerdings könnte eine Auftragsflaute kommen. Wie können sich Betriebe finanziell wappnen und wann sollten sie auf ihre Bank zugehen?

Keiner weiß im Moment genau, wie es mit der Wirtschaft weitergeht. Deshalb empfehlen wir grundsätzlich, zwei Varianten einer Liquiditätsplanung zu erstellen. Eine vorsichtige und eine eher optimistische. Die Betriebsberater der Handwerkskammer sind hier die optimalen Begleiter. Mit den erstellten Liquiditätsplänen geht es dann möglichst frühzeitig zur Sparkasse, damit ohne Zeitdruck gemeinsam die optimale Finanzierungsstruktur festgelegt werden kann.

Und wenn man den Blick noch mehr in die Zukunft richtet?

Jeder weiß, dass die Handwerksbetriebe in den vergangenen Jahren einen richtig guten Job gemacht haben. Sie haben Substanz und Liquiditätspolster aufgebaut, die jetzt natürlich enorm helfen. Handwerksbetriebe sollten sich mit Blick nach vorne die Frage stellen, ob die Corona-Krise irgendeinen Anpassungsbedarf auf das künftige Geschäftsmodell zur Folge hat. Muss ich noch digitaler werden, um meine Kunden auch künftig zu erreichen? Brauche ich einen Onlineshop? Muss ich in meinem Betrieb mehr auf Nachhaltigkeit setzen? Wenn hier Anpassungsbedarf besteht, kostet das in der Regel ja auch richtig Geld und das muss bei einer zukunftsorientierten Liquiditätsplanung selbstverständlich berücksichtigt werden.

Es gibt eine ganze Reihe an Fördermitteln, darunter auch Förderkredite mit bis zu 100 Prozent Haftungsfreistellung. Wie werden diese angenommen?

Nach unseren Beobachtungen werden Fördermittel der LfA und Kfw nach wie vor eher zögerlich und zurückhaltend angenommen, auch wenn manche Presseberichte da etwas Anderes suggerieren. Wir hören oft die Aussage: Ich kann nur ganz schwer einschätzen, wie es weitergeht und wie hoch mein Bedarf an Förderdarlehen dann letztendlich ist. Die Kunden haben natürlich Angst vor einer zu hohen Zinsbelastung. Betriebe können aber jederzeit einen zweiten Antrag stellen, wenn sie bemerken, dass die ursprüngliche Liquiditätsplanung zu optimistisch war. Im umgekehrten Fall müssen die Darlehen nicht komplett abgerufen werden und die Unternehmen zahlen Zinsen nur für die in Anspruch genommene Darlehenssumme.

Bund und Länder haben ein umfangreiches Programm erarbeitet, um die Wirtschaft durch die Pandemie zu begleiten. Wie schätzen Sie die Hilfs- und Förderprogramme ein?

Insgesamt finde ich die Programme sehr gut und angemessen. Aus Sicht des Handwerks ist es aber wichtig und unverzichtbar, dass die öffentliche Hand trotz Rückgang bei den Steuereinnahmen weiterhin investiert. Denn wenn neben dem Gewerbebau, der absehbar für eine gewisse Zeit rückläufig sein wird, auch noch die Aufträge des Staats und der Kommunen fehlen, kann das drastische Folgen für unsere Handwerksbetriebe haben. Ich hoffe und wünsche mir, dass da noch nachjustiert wird.

Corona hat der digitalen Kommunikation einen großen Schub gegeben, Stichwort Videokonferenzen. Was bedeutet das für den Kontakt zwischen Kunden und Berater?

Da hat sich in kürzester Zeit wirklich sehr viel getan und ich sehe das auch grundsätzlich positiv. Vieles lässt sich auch künftig ohne Einschränkungen zeitsparend per Telefon- oder Videokonferenz besprechen. Aber wir merken bereits wieder die Sehnsucht vieler Kunden nach persönlichen Kontakten. Und das ist gut so, weil Hand aufs Herz: Ein Gespräch, bei dem es zum Beispiel um die Firmennachfolge geht, da muss man sich in die Augen schauen.

Stellen wir uns eine Zeit nach Corona vor, ein Impfstoff oder ein Medikament sind gefunden. Was wird sich verändert haben?

Wir werden ein Stück weit bewusster leben. Qualität darf, Gott sei Dank, auch wieder etwas kosten. Ein schönes Zuhause gewinnt an Bedeutung. Es wird wieder mehr investiert – ganz bestimmt zuvorderst bei den Handwerksbetrieben. Ob das zu einer Trendumkehr der Landflucht führt, ist eine spannende Frage. Gesundheitsvorsorge und Nachhaltigkeit werden deutlich an Stellenwert gewinnen. Das bietet vielen Handwerksbetrieben gute Chancen, sich hierauf strategisch auszurichten. Wünschen würde ich mir, dass die Zufriedenheit der Menschen in Deutschland steigt. Sind wir doch ehrlich: Wir haben in Deutschland diese Krise mit am besten gemeistert und das darf uns auch ein Stück weit stolz und zufrieden machen.

 

Sparkasse Passau - Interview

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Holzmann Medien GmbH & Co.KG, Redakteur Steffen Guthardt
www.deutsche-handwerks-zeitung.de

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