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Gemeinsam nach Lösungen suchen

Je mehr Unternehmen und Privatleute mit der Krise zu kämpfen haben, umso wichtiger wird die Rolle der Geldinstitute. Die PNP bat die Vorstandsvorsitzenden von Sparkasse und VR-Bank – Christoph Helmschrott und Reinhard Allinger – um eine Einschätzung der aktuellen Lage.

 

Online-Banking ist derzeit wohl gefragt wie nie zuvor. Wie haben Sie auf diesen neuen Boom reagiert? Und gab es schon Auswirkungen auf die Öffnungszeiten der Geschäftsstellen?

Sparkasse Passau - Christoph Helmschrott

Helmschrott: Schon vor der Corona-Krise war es uns wichtig, Kunden für das Online-Banking parallel zu unseren gewohnten Geschäftsstellen zu motivieren und zu gewinnen. Unsere Mitarbeiter gehen derzeit verstärkt auf unsere Kunden zu, um die jeweilige Situation rund um deren Finanzen zu besprechen und nötige Lösungen zu finden. Wir haben nach wie vor alle Geschäftsstellen für unsere Kunden geöffnet. Wir danken ganz besonders unseren Servicemitarbeitern, die hier einen tollen Job machen. Auch konzentrieren wir unsere Kapazitäten und Ressourcen an den Stellen, an denen jetzt unser Handeln für unsere Kunden nötig ist: in der Beratung und im Gespräch, was wir unabhängig von unseren Öffnungszeiten anbieten.

Reinhard Allinger im Interview

Allinger: Schon in den letzten Jahren war Online-Banking stark nachgefragt; zum Stichtag 31.12.2019 haben etwa 50 Prozent unserer Kunden dieses Angebot der Bank wahrgenommen. Durch die spezielle Situation jetzt hat dies noch einen zusätzlichen Schub bekommen. Unsere Kundenberater und Servicekräfte bieten die Möglichkeit an, dass Verträge telefonisch oder per Mail abgeschlossen werden können. Zehn kleinere unserer 17 Bankstellen stehen vorübergehend für den Kundenverkehr nicht zur Verfügung. Die Bargeldversorgung ist aber unverändert, und auch die Mitarbeiter sind weiterhin per Telefon, Mail oder über sonstige Kommunikationswege erreichbar. Sollte persönliche Präsenz erforderlich sein, beispielsweise weil das Thema besonders komplex ist, stehen wir natürlich ebenfalls zur Verfügung. Die Kunden sind da sehr verständnisvoll, zumal die Frequenz in den Filialen stark nachgelassen hat.

 

Welche Maßnahmen haben Sie zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen?

Helmschrott: Schon deutlich vor den Ausgangsbeschränkungen haben wir eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit dem Schutz der Mitarbeiter und Kunden vor dem Corona-Virus intensiv beschäftigt. So haben wir zum Beispiel für Schutzverglasungen im Servicebereich und für Desinfektionsmaßnahmen in häufig frequentierten bzw. genutzten Bereichen gesorgt. Wir befinden uns in regelmäßigem Dialog mit Gesundheitsbehörden und sehen uns da gut unterstützt. Hinweise zu den Verhaltensregeln wurden in den Räumlichkeiten gut sichtbar aufgehängt. Dazu gehört die Einhaltung des erforderlichen Sicherheitsabstandes von mindestens 1,5 Metern.Wir informieren unsere Mitarbeiter täglich zu den aktuellen Entwicklungen und Erfordernissen. Besprechungen werden vertagt oder finden im sicheren Umfeld statt – durch Telefonkonferenzen oder online. Mitarbeiter teilen sich räumlich auf oder arbeiten direkt von Zuhause aus.

Allinger: Abgesehen von den üblichen Vorsichtsmaßnahmen – Händewaschen und Abstand halten – haben wir Plexiglasscheiben aufgestellt, Abstandsregelungen umgesetzt und im Laufe der Woche Mundschutze verteilt. Einem Teil unserer Mitarbeiter haben wir Homeoffice-Regelungen angeboten und wir haben ein Schichtsystem eingeführt. Bestimmte Abteilungen wurden räumlich getrennt – sollte der Mitarbeiter einer Abteilung positiv getestet werden, kann so der Betrieb aufrechterhalten werden. Reinigungskräfte wurden angewiesen, über den normalen Turnus hinaus sehr oft gerade die Türklinken zu reinigen und zu desinfizieren.

 

Der Mittelstand, die Freiberufler und Kleingewerbetreibende stehen derzeit vor enormen Herausforderungen. Was können Sie tun, damit in der Krise nicht unser wirtschaftliches Fundament wegbricht?

Helmschrott: Wir beraten unsere Kunden individuell und priorisieren dabei, wo Hilfe akut und nötig ist. Erfreulicherweise gibt es auch Kunden, die von der Corona-Krise weniger stark betroffen sind. Wir haben bereits mit der Hälfte unserer gewerblichen Kunden proaktiv konkrete Gespräche geführt. Nach eingehender Prüfung und Priorisierung der Anliegen geht es dann ggf. um Fragen der Aussetzung von Zins- und Tilgungszahlungen, über Bürgschaften und Überbrückungskredite bis hin zur Nutzung von Fördermitteln. Wenn es um diese geht, haben wir die Verpflichtung, das jeweilige Unternehmen und dessen Bonität zu prüfen. Zudem übernehmen die Sparkassen und Banken bei Fördermitteln der KfW und LfA für diese die üblichen Kreditwürdigkeitsprüfungen. Um diese große Aufgabe zu stemmen, haben wir zusätzliche Kapazitäten in der Kundenbetreuung und Marktfolge aufgebaut.

Allinger: Wir sind im laufenden Kontakt mit den Firmenkundenbetreuern und den Kunden. Soforthilfen können Kunden ja selbst beantragen, Hilfskredite werden über die Hausbanken bei den Förderbanken LfA und KfW gestellt, das braucht eine gewisse Vorlaufzeit. Wenn in dieser Zeit, zwischen Antragstellung und Gewährung der Kredite, akuter Liquiditätsbedarf entsteht, decken wir dies als Hausbank ab. In dieser schwierigen Situation sehen wir uns in der Verantwortung für unsere Kunden.

 

Wie sieht es auf dem privaten Sektor aus? Es gibt immer mehr Kurzarbeit, Menschen bangen um ihre Jobs. Wie reagiert Ihr Haus auf mögliche Ratenausfälle?

Helmschrott: Für Privatkunden gilt der gleiche Grundsatz wie im gewerblichen Kreditgeschäft. Wir wollen mit möglichst vielen unserer Kunden sprechen. Genauso werden wir hier gemeinsam nach Lösungen suchen. Aktuell werden gerade viele Tilgungsaussetzungen vereinbart. Dafür ist der direkte Kontakt mit dem Berater so wichtig, um rechtzeitig Lösungen zu finden. Wir haben aber den Eindruck, dass der Schmerz und Druck derzeit bei den gewerblichen Kunden noch deutlich höher ist.

Allinger: Hier gilt im Prinzip dasselbe. Es geht hier um Tilgungsaussetzungen und -stundungen. Wir stehen den Kunden zur Seite, wenn es beispielsweise darum geht, eine Zeit der Kurzarbeit zu überbrücken. Momentan ist der Bedarf, anders als im gewerblichen Bereich, im Privatkundengeschäft noch nicht hoch. Die weitere Entwicklung hängt natürlich davon ab, wie lange die derzeitige Situation anhält.

 

Wie werden die staatlichen Hilfs- und Förderprogramme angenommen und sind sie – zum jetzigen Stand – ausreichend?

Helmschrott: In den ersten Gesprächen mit unseren Firmen-, Gewerbe- und Geschäftskunden haben wir großes Interesse an diesen Förderprogrammen festgestellt. Noch können wir keine klare Aussage treffen, in welchem Umfang diese langfristig helfen werden. Die Hilfen zielen auf die Liquidität ab, damit ist noch kein Euro zurückgezahlt, dafür braucht es Umsätze, aus denen stabile Erträge erwirtschaftet werden. Fest steht allerdings: Ohne die immensen öffentlichen Programme und Hilfen hätte die Wirtschaft keine Chance. Klar ist, dass die Corona-Krise große, einschneidende wirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringt und noch weitere unabsehbare Wirkungen erzeugen wird.

Allinger: Respekt vor der Bundesregierung und der bayerischen Regierung, die in kurzer Zeit in großer Geschlossenheit Beachtliches auf die Beine gestellt haben. Die Überbrückungsleistungen sind entscheidend dafür, dass die Wirtschaft nach Ende der Krise möglichst zügig wieder anlaufen kann.

 

Wie sind Sparkasse bzw. Volks- und Raiffeisenbanken in der Region generell gerüstet, sollte es zu größeren Kreditausfällen kommen?

Helmschrott: In den letzten Jahren konnten wir, die Sparkasse Passau, unser Eigenkapital stetig verbessern. Wir sind gut gerüstet. Die Krise wird aber Spuren in unserer Bilanz hinterlassen. Die Spuren werden aus den Turbulenzen auf den Kapitalmärkten resultieren und von Kreditausfällen geprägt sein. Bei unseren Kreditentscheidungen sind wir uns unserer Verantwortung für unsere heimische Wirtschaft sehr bewusst. Und danach handeln wir auch.

Allinger: Die Genossenschaftsbanken deutschlandweit sind vor zehn Jahren ohne Staatshilfe durch die Finanzkrise gekommen und haben es geschafft, sich ein gutes Eigenkapitalpolster aufzubauen. Die Bankenaufsicht hat zudem Eigenkapitalerleichterungen geschaffen. Nach derzeitigem Stand der Dinge sind wir gut aufgestellt. Dramatisch würde es bundesweit, sollte die Krise nicht zwei oder drei, sondern vielleicht 18 Monate dauern.

 

Es gibt immer wieder Gerüchte, dass Menschen Bargeld horten. Kann es zu Engpässen an den Automaten kommen?

Helmschrott: Es gab kurzfristig vereinzelt höhere Einzelbargeldabhebungen, was jedoch völlig unproblematisch war. Die Bargeldversorgung an allen Automaten der Sparkasse ist zu 100 Prozent gesichert. Darüber hinaus ist in allen Geschäftsstellen zu den normalen Öffnungszeiten die Versorgung mit Bargeld möglich.

Allinger: Wir stellen an den Automaten eine stark rückläufige Frequenz fest. Die Automaten am Ludwigsplatz wurden zuletzt zweimal die Woche aufgefüllt, jetzt nur mehr alle eineinhalb Wochen. Ich vermute, dass häufiger bargeldlos bezahlt wird, auch bei Kleinbeträgen, wie es ja auch manche Geschäfte empfehlen. Zum anderen sind ja auch die Einkaufsmöglichkeiten zurückgegangen. Es ist weder angebracht noch notwendig, Bargeldbestände zu Hause zu horten – ganz abgesehen davon, dass es ein Sicherheitsproblem ist.

 

Zum Schluss eine persönliche Einschätzung: Wie schlimm wird das alles für die Wirtschaft in unserer Region? Wie schnell kann sie sich wieder erholen?

Helmschrott: Ich traue mich heute nicht abzuschätzen, wie lange der Shutdown aufrechterhalten wird. Davon ist auch abhängig, wie schnell die Wirtschaft wieder in den Normalbetrieb wechseln darf und kann. Wenngleich die künftige Normalität eine andere sein wird, als wir sie heute kennen: Jeder Tag, den wir früher in den normalen Alltag zurückkehren können, bedeutet eine Erleichterung. Für die Frage, wie schnell eine Erholung möglich ist, ist das Tun von uns allen entscheidend. Denn wenn jetzt alle bedacht und diszipliniert handeln, kann die Wirtschaft früher wieder hochgefahren werden. Ich denke, wir alle wollen zurück zu einem freien und unbeschwerten Leben. Deswegen bleiben wir jetzt möglichst zu Hause.

Allinger: Wenn die Maßnahmen greifen, die Krise Ende Mai überwunden wird und die Wirtschaft wieder aus dem Standby-Modus herausfindet, dann kommen wir mit einem blauen Auge davon. Sollten sich Dauer und Ausprägung noch verschärfen wird die Situation immer schwieriger. Gut, dass viele unserer Unternehmen über gute Liquidität verfügen und so durchaus in der Lage sind, Durststrecken zu überwinden. Ich sehe das als beherrschbar, Hysterie hilft keinem. Wenn jeder achtsam mit sich und seinem Nächsten umgeht, ist das eine vorübergehende Krise, mit der man auf längere Sicht gut zurechtkommen kann.

 

Die Interviews wurden getrennt geführt. Text und Fotos: PNP

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